
A/B Tests von Websites basieren im Prinzip auf einer der beiden technischen Ansätze: entweder die Testinhalte werden client- oder serverseitig ausgetauscht. Clientseitig sorgt etwas JavaScript im Code der zu testenden Website dafür, dass einigen Besuchern die Alternativseite „B“ statt der Originalseite „A“ angezeigt wird.
Die serverseitige Alternative ist oft eine Testing-Software, die als so genannter Proxy-Server agiert. So erhält der Besucher bei jedem Seitenaufruf durch einen Internetnutzer eine komplett unterschiedliche Testvariante ausgeliefert. Beide Lösungen sind möglich – und haben unterschiedliche Vor- und Nachteile…
Das Prinzip von A/B Test mit dem Proxy Server
Ein Internetnutzer, der ihre Website aufruft, macht im Prinzip nichts anderes als die benötigten Daten der Website abzufragen, damit sie auf dem Bildschirm dargestellt wird. Bei einem A/B Test mit einem Proxy-Server fängt der Proxy-Server diese Anfrage ab. Er schaltet sich also quasi zwischen den Internetnutzer und dem Server, auf dem die Daten der Website gespeichert sind. Über den Proxy-Server erhält der Internetnutzer die Daten der Originalseite oder einer Testvariante.
Beteiligte am Geschehen: Internetnutzer, Proxy-Server, Server, auf dem die Website gespeichert ist.
A/B Tests mit JavaScript
Anders funktioniert der A/B Test mit JavaScript. Einige Zeilen dieser Scriptsprache werden in den Code der Website integriert. Dadurch wird bei der Anfrage eines Internetnutzers eine JavaScript-Bibliothek geladen, die für den Test wichtige Funktionen enthält. Sie sorgen dafür, dass benötigte Informationen an einen Test-Server transportiert werden. Der Testserver ist der eigentliche technische Organisator des Tests. Auf der Basis der Daten sendet er die Information an den Server mit der Website zurück, ob dem Internetnutzer die Originalseite „A“ oder die Seite „B“ mit veränderten Elementen angezeigt wird. Durch das in den Code der Website integrierte JavaScript werden Elemente der Seite ausgetauscht im Browser des Website-Besuchers ausgetauscht.
Beteiligte am Geschehen: Internetnutzer, Server, auf dem die Website gespeichert ist, JavaScript im Code der Website, Test-Server.
Der Vergleich beider Lösungen
Grundsätzlich sind beide Lösungen schnell genug, dass der A/B Test dem Internetnutzer nicht durch einen verlangsamten Seitenaufbau auffällt. In beide Lösungsansätze sind externe Server integriert: bei der Lösung mit dem Proxy-Server als auch beim JavaScript-Ansatz, bei dem der Test-Server Funktionen übernimmt.
Die Rolle beider externen Server ist jedoch unterschiedlich. Während der Proxy-Server die Anfrage des Internetnutzers vorab abfängt, erreicht die beim JavaScript-Ansatz erst einmal den Server, auf dem die Website gespeichert ist. Das kann bei Störungen einen entscheidenden Vorteil haben.
Falls der Proxy-Server ausfällt, wird der Internetnutzer die zu testende Website eventuell gar nicht zu Gesicht bekommen: weder Version „A“ noch „B“.
Fällt dagegen der Testserver aus, hat das zwar Einfluss auf den Test, nicht jedoch auf die Erreichbarkeit der originalen Website. Fällt der Testserver aus, wird dem Internetnutzer das Original weiterhin angezeigt.
Bei der Nutzung eines Proxyservers zur Auslieferung der Tests (beispielsweise bei “Sitespect”) schafft man also ein Nadelöhr – einen “Single Point of Failure”, der für den Ausfall der ganzen Seite sorgen kann. Diese Gefahr besteht bei der JavaScript-Variante (beispielsweise bei Adobe Test&Target, Optimizely oder Maxymiser) nicht – was ein Grund ist, weshalb die meisten Testing-Tools auf die JavaScript-Methode setzen.
Es gibt jedoch viele Unternehmen, die den Einsatz von JavaScript auf ihren Websites und Landingpages als gefährlich einstufen. Da das JavaScript zur Veränderung der Website sehr umfangreiche Funktionen mitliefert, könnte es sich auch wie Schadcode verhalten. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass diese Gefahr bei der Proxy-Lösung theoretisch auch vorhanden ist – nur auf einer anderen Ebene.
Wichtig ist Vertrauen
Unabhängig von der eingesetzten Technologie sollte man dem Lösungsanbieter vertrauen. Dies kann durch umfangreiche Verträge untermauert werden, beispielsweise ein Vertrag nach §11 BDSG (Auftragsdatenverarbeitung) oder – bei internationalen Anbietern – durch den Schluss eines Vertrages auf Basis der “EU Standard Contractual Clauses” für den Datenexport.
Empfehlung
JavaScript-Lösungen sind sehr flexibel und sicher. Sie sind die bessere Wahl. Wenn dazu ein ordentliches Vertragswerk existiert, gibt es keine Gefahr. Bei Proxy-Lösungen sollte sehr genau überlegt werden, ob diese nicht mehr Probleme verursachen, als Vorteile bringen. Denn was bringt eine tolle IT-Infrastruktur, wenn am Ende alles am Nadelöhr bei einem Testanbieter hängt?




















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