Praxisguide

Implementierungsprojekte planen und Anleitungen für die IT verfassen

Korrekt implementierte Tracking-Tools sind eine notwendige Voraussetzung für die datengetriebene Conversion-Optimierung. Nur wenn Daten zuverlässig gesammelt werden, sind Entscheidungen, die auf Basis der Daten gefällt werden, gerechtfertigt.

Leider kommt es bei der Implementierung von Tracking-Tools jedoch sehr häufig zu Problemen und Schwierigkeiten. Dieser Praxisguides  beschreibt den Ablauf einer gut geplanten und erfolgreich durchgeführten Implementierung.

1. Einleitung

Korrekt implementierte Tracking-Tools sind eine notwendige Voraussetzung für die datengetriebene Conversion-Optimierung. Nur wenn Daten zuverlässig gesammelt werden, sind Entscheidungen, die auf Basis der Daten gefällt werden, gerechtfertigt.

Auf den ersten Blick scheint es, als ob einfach nur ein paar Zeilen Code in den Quelltext der Seite kopiert werden müssen. Leider kommt es bei der Implementierung von Tracking-Tools jedoch sehr häufig zu Problemen und Schwierigkeiten.

Unsere zweiteilige Serie beschreibt den Ablauf einer gut geplanten und erfolgreich durchgeführten Implementierung. Alle möglichen potentiellen Fallstricke werden diskutiert, die zu unnötigen Verzögerungen und unbrauchbaren Daten führen können.

In diesem Praxisguide lernen Sie:

  • ein Implementierungsprojekt vorzubereiten und zu managen
  • das optimale Briefing und Anleitung für Ihre IT zu schreiben
  • erfolgreich und langfristig mit Ihrer IT zusammenzuarbeiten

Es wird nicht ein spezielles Tool thematisiert, sondern Szenarien für Tools aus vielen verschiedenen Bereichen (Testing; In-Page-Analyse; Tag Management; Conversion Tracking; Onsite-Umfragen & -feedback; Ad Server) beschrieben.

1.1 Ablauf eines Implementierung- und Tagging-Projekts

Implementierung- und Tagging-Projekte lassen sich in sieben einzelne Schritte einteilen. Dieser Praxisguide ist anhand dieser Schritte gegliedert:

  1. Im ersten Schritt hat die Onlinemarketing-Abteilung entschieden, dass sie gerne ein Tracking-Tool auf einer Website implementieren möchten. Jetzt geht es darum, das Implementierungsprojekt vorzubereiten und zu planen.
  2. Im zweiten Schritt muss die Anleitung zur Implementierung geschrieben werden. Es muss detailliert beschrieben werden, welche Tags auf welchen Seiten und an welcher Stelle im Quelltext implementiert werden sollen.
  3. Danach muss die Implementierungsanleitung an eine oder mehrere Personen aus der IT-Abteilung versendet werden.
  4. Der Teil des Projekts, der wahrscheinlich am meisten Zeit in Anspruch nimmt, ist das Warten bis die IT-Abteilung alle relevanten Tags implementiert hat
  5. Sobald die Tags auf einem Test- oder Staging-Server implementiert wurden, sollte eine Qualitätssicherung erfolgen. Es muss im Detail überprüft werden, ob die Anleitung korrekt umgesetzt wurde.
  6. Noch bevor die ersten Live-Daten durch die Tags gesammelt werden, müssen die meisten Tools noch per Webinterface konfiguriert werden.
  7. Wenn das Tool korrekt implementiert ist, ist die Arbeit jedoch noch nicht getan. Er muss kontinuierlich überprüft werden, dass die Tags noch einwandfrei funktionieren.

Wie schon oben erläutert, thematisiert dieses Teil der Praxisguide-Serie die Schritt 1-4. Im zweiten Teil werden die restlichen drei Schritte beschrieben.

In diesem Praxisguide wird nicht ein spezielles Tool thematisiert, sondern Szenarien für Tools aus unter anderen diesen Bereichen beschrieben. Auf diese Weise hoffen wir, für verschiedene Tools wertvolle Hinweise geben zu können:

Kategorie Beispielhafte Tools
Testing-Tools Optimizely, Visual Website Optimizer, Maxymiser, Monetate
In-Page-Analyse CrazyEgg, ClickTale, SessionCam
Tag Management Google Tag Manager, BrightTag, TagMan
Conversion-Tracking AdWords, Bing, Affiliate-Netzwerke
Remarketing-Tools AdWords, Criteo, AdRoll, Chango
E-Mail-Tools eCircle, Mail Chimp
Ad Server Google DoubleClick for Advertiser, Atlas
On-Site-Umfragen- und Feedback-Tools Qualaroo, Uservoice, GetSatisfaction

Auf den ersten Blick kann diese ausführliche Beschreibung und der weite Skopus einschüchternd wirken. Deshalb hier einige Hinweise:

  • Für weniger komplexe Tools kann die Implementierung deutlich einfacher ablaufen als hier beschrieben. Einige der beschriebenen Schritte können in nur wenigen Minuten erledigt werden oder entfallen ganz.
  • Je komplexer eine Website ist, desto mehr profitieren Sie von einer detaillierten Planung und unseren Tipps in diesem Praxisguide. Eine Website gilt als komplex, wenn [1] Sie für mehr als eine Website bzw. Domain verantwortlich sind, [2] Sie viele verschiedene Produkte und Kategorien in Ihren Online-Shop anbieten oder [3] Sie fortgeschrittene E-Commerce- bzw. CMS-Software einsetzen.
  • Auch wenn Sie noch am Anfang einer Implementierung stehen oder nur an bestimmten Schritten involviert sind, empfehlen wir Ihnen trotzdem den kompletten Praxisguide zu lesen. Auf diese Weise bekommen Sie ein detaillierteres Bild des Prozesses und können Schwierigkeiten besser voraussehen.
  • Der Prozess der Implementierung von Webanalyse-Tools wie Google Analytics, Adobe SiteCatalyst, WebTrekk oder eTracker wird nicht komplett beschrieben, da deren Implementierung sehr viel komplexer und aufwendiger ist als die der oben beschriebenen Tools. Es gilt beispielsweise die Anforderungen aller Stakeholder einzuholen und zu definieren, wie die Implementierung diesen genügen kann. Bei den oben beschriebenen Tools sind die Anforderungen verschiedener Anwender dagegen sehr viel ähnlicher und somit muss weniger Zeit in das Definieren von Anforderungen investiert werden. Dieser Praxisguide bietet jedoch auch hilfreiche Tipps, wenn Sie an der Implementierung eines Webanalyse-Tools beteiligt sind, beispielsweise zur Kommunikation mit der IT-Abteilung und der Qualitätssicherung.

2. Schritt: Vorbereitungen treffen und Projektplan erstellen

2.1 Projektmanagement für Ihre Implementierung

Sie haben sich also dafür entschieden ein Tool aus den oben beschriebenen Kategorien auf Ihrer Website zu implementieren. Der erste Schritt sollte sein, die Implementierung als ein Projekt zu begreifen, dass es wie andere Projekte zu managen gibt.

Aus unserer Erfahrung haben sich zwei Prinzipien als äußerst hilfreich erwiesen. Erstens gibt es in der Marketing- oder E-Commerce-Abteilung auf Unternehmensseite mindestens zwei verschiedene Rollen zu besetzen:

  • einen Projektmanager, der insbesondere für die Koordination aller anderen Projektteilnehmer und die Einhaltung der Deadlines verantwortlich ist
  • einen technischen Ansprechpartner, welche entweder die Anleitung für die IT-Abteilung selbst erstellt und die Qualitätssicherung durchführt oder eine entsprechende Agentur koordiniert.

Diese beiden Rollen verlangen nach verschiedenen Fähigkeiten. Es selten, dass ein Mitarbeiter in beiden Rollen gut fungiert. Stellen Sie das Projektteam also mit diesem Gedanken im Hinterkopf zusammen.

Zweitens sollte zu Beginn des Implementierungsprojekts ein Projektplan erstellt werden, dessen Erstellung und Pflege in der Hand des Projektmanagers liegt. Ein solcher Plan hat sich in bisherigen Projekten als äußerst nützlich erwiesen:

  • er vereinfacht die Abstimmung mit der IT-Abteilung, anderen beteiligten Abteilungen sowie externen Dienstleistern und Agenturen
  • er stellt sicher, dass alle Beteiligten über alle Deadlines informiert sind
  • er informiert alle Beteiligten über die Wichtigkeit des Projekts

Bei der Implementierung von sehr simplen Tools scheint ein ausführlicher Projektplan auf den ersten Blick nicht notwendig. Es hat sich jedoch in allen unseren Projekten gezeigt, dass es in Projekten mit guter Planung sehr seltener zu Schwierigkeiten gekommen ist. Die in einen Projektplan investierte Zeit zahlt sich später häufig wieder aus.

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2.2 Elemente des Projektplan

2.2.1 Ziel des Projekts

Zu Beginn sollten Sie kurz beschreiben, welche Software implementiert werden soll und welche Vorteile dies für das Unternehmen haben wird. Je klarer Sie die Vorteile herausstellen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Wichtigkeit des Projekts von den anderen beteiligten Personen verstanden wird. Besonders hervorheben sollten Sie auch die Vorteile für die IT-Abteilung selbst. Dies könnte im Falle eines Tag-Management-System weniger Arbeit in der Zukunft bedeuten.

2.2.2 Wichtigkeit des Projekts

Implementierungsprojekte finden nicht im Vakuum statt. Marketing-Aktivitäten, für welche die Tags benötigt werden, und andere Implementierungsprojekte hängen von erfolgreichen Implementierungen ab. Einige Beispiele:

  • Angenommen in einem Monat ist eine große Werbekampagne im Fernsehen geplant.
  • Bis dahin sollte das neue Call Tracking implementiert sein, um die Investition in den neuen Kanal messen zu können.
  • Falls Sie in zwei Monaten sehr viele neue Tags implementieren müssen, können Sie diese Aufgabe nur mithilfe des zu implementierenden Tag-Management-Systems rechtzeitig erledigen.
  • Parallel zur neuen Offline-Kampagne sollen SEA- und Display-Anzeigen geschaltet werden, um vom zusätzlichen Suchvolumen und Interesse an der Marke zu profizieren. Nur mit funktionierendem Conversion-Tracking kann die Effizienz dieser Maßnahmen gemessen werden.

Diese Hinweise vermitteln allen Beteiligten, wie wichtig das Implementierungsprojekt für das ganze Unternehmen – nicht nur die Marketingabteilung – ist. Auf diese Weise können möglicherweise zusätzliche Ressourcen in der IT freigemacht werden.

2.2.3 Liste aller beteiligten Personen

Mithilfe dieser Liste sind alle Beteiligten auf dem gleichen Stand und immer in der Lage den entsprechenden Ansprechpartner zu kontaktieren.

In unserem Beispiel arbeitet das Beispiel-Unternehmen sowohl mit dem Toolanbieter (Google Deutschland) als auch mit einer Agentur zusammen. In anderen Fällen wird das Implementierungsprojekt auch ohne Hilfe von außen durchgeführt.

Neben dem Vorgesetzten des Online-Marketing-Teams gibt es in unserem Fall zwei Online-Marketing-Manager – einer zuständig für das Projektmanagement, eine für die Erstellung der technischen Anleitung für die IT-Abteilung.

2.2.4 Zeitplan und Ablauf

Hier sollten Sie alle wichtigen Milestones notieren, die im Laufe des Projekts erreicht werden sollte. Neben den Verantwortlichen haben vor allem die Deadlines eine hohe Bedeutung.

Es hat sich als äußerst hilfreich erwiesen, allen Beteiligten des Projekts Termin-Einladungen per E-Mail zu versenden. Auf diese Weise kann jeder Projektteilnehmer in seinem Kalender sofort sehen, wann der nächste Milestone erreicht sein sollte. Vor allem der Projektmanager ist auf diese Weise in der Lage den Fortschritt des Projekts zu überwachen – schließlich ist das Implementierungsprojekt nur eines von vielen Projekten, das er betreut.

Wenn Sie Meetings oder Telefonkonferenzen geplant haben, sollten Sie diese auch in die Tabelle aufnehmen.

2.2.5 Release-Plan

Falls Sie kein Tag-Management-System einsetzen, können neue Tags in vielen Fällen nur bei Releases veröffentlicht werden. Kontaktieren Sie deshalb Ihre IT-Abteilung frühzeitig, um über den aktuellsten Release-Plan informiert zu sein. Nur wenn Sie über diese Informationen verfügen, können alle nachfolgenden Schritte geplant werden.

Stellen Sie sicher, dass Sie nicht nur die Daten für Releases auf dem Live-Server, sondern auch auf dem Test- oder Staging-Server erhalten.

Sprechen Sie ruhig auch öfter mit Ihren Kollegen aus der IT, um sicherzugehen, dass es keine Änderungen am Release-Plan gab, der den Projektplan durcheinander bringt.

2.2.6 Risiken für das Projekt

Beschreiben Sie hier, welche Einflüsse einen negativen Einfluss auf den Erfolg des Projekts haben könnten. Auf diese Weise sind sich alle Beteiligten des Projekts darüber im Klaren und könnten gegebenenfalls Vorkehrungen treffen.

2.3 Weitere Vorbereitungen, die Sie treffen sollten

Neben dem Erarbeiten des Projektplans sollten Sie noch weitere Vorbereitungen treffen. Je früher Sie diese Aufgaben in Angriff nehmen, desto besser.

2.3.1 Einstellung der IT-Abteilung herausfinden

Falls Sie es noch nicht wissen, finden Sie heraus, welche Einstellung innerhalb der IT-Abteilung zum Thema Implementierung von Marketing-Tags besteht. Je „feindlicher“ die Einstellung, desto mehr Zeit und Ressourcen müssen Sie für eine erfolgreiche Implementierung planen.

Manche Tracking-Tools bieten außerdem die Auswahl zwischen der Implementierung durch Tags und der durch Pixel. Falls Ihre Kollegen aus der IT beispielsweise neuen Tags auf HTTP-Seiten sehr ungewogen gegenüberstehen, können Sie rechtzeitig entscheiden, Pixel statt Tags einzusetzen.

Tags und Pixel: wo liegt der Unterschied?

Obwohl diese beiden Begriffe oft gleichbedeutend verwendet werden, bezeichnen sie unterschiedliche Arten von Code: Pixel sind unsichtbare Bilddateien der Größe 1×1. Tags bestehen dagegen aus einer oder mehrerer Zeilen JavaScript, die in eine Website eingebaut werden. Dieser Code lädt in den meisten Fällen weitere Dateien vom Server des Anbieters und kann deshalb theoretisch auch schädlichen Code ausführen. Aus diesem Grund sind Tags auf SSL-verschlüsselten Seiten, wie dem Checkout-Prozess, von der IT oft unerwünscht.

2.3.2 Zugangsdaten zum Staging- oder Test-Server

Wenn Tags zuerst auf einen Staging- oder Test-Server deployt werden, sollten Sie sich rechtzeitig nach den Zugangsdaten für diese Server erkunden,

Falls Sie nicht wissen, ob diese Art von Servern überhaupt eingesetzt wird, sollten Sie sich auch darüber rechtzeitig informieren.

2.3.3 Nach Testzugangsdaten oder Weg für Test-Conversions erkundigen

Wenn Sie auf Online-Shops überprüfen müssen, ob ein Conversion Tag korrekt implementiert wurde, müssen Sie in vielen Fällen den kompletten Checkout durchlaufen bis Sie an diese Information kommen.

Um nicht jedes Mal mit einer tatsächlichen Kreditkarte oder dem eigenen PayPal-Konto bezahlen zu müssen, gibt es einige Möglichkeiten:

  • Sie wählen Rechnung als Zahlungsart und teilen dem Shop-Team mit, dass die Bestellung storniert werden soll.
  • Sie „kaufen“ ein bestimmtes Produkt auf Rechnung, das sich nur über einen nicht-öffentlichen Link in den Warenkorb legen lässt. Dieses wird vom System automatisch storniert.
  • Sie verwenden eine Test-Kreditkarte deren Bestellungen automatisch storniert werden.

Erkunden Sie sich rechtzeitig, welche Möglichkeit Sie einsetzen können.

2.3.4 Ein gutes Verhältnis mit der IT pflegen

Wie aus den bisherigen Erläuterungen klar geworden sein sollte, ist ein freundschaftliches Verhältnis zur IT-Abteilung immer hilfreich. Gehen Sie doch einmal mit Ihren Kollegen aus der IT Mittagessen oder ein Bier trinken.

3. Schritt: Anleitung zur Implementierung für IT erstellen

Nachdem alle Vorbereitungen getroffen sind, kann der nächste Schritt in Angriff genommen werden. Die Anleitung für die IT-Abteilung muss geschrieben werden.

Wie diese Anleitung aussehen muss, hängt nicht nur vom Unternehmen und dessen Website ab, sondern auch vom zu implementierenden Tool. Alle verschiedenen Szenarien können in diesem Praxisguide natürlich nicht abgedeckt werden. Deshalb beschränken wir uns auf:

  • eine allgemeine Beschreibung des Prozesses
  • die Erläuterung dieses Prozesses an einem Beispiel
  • sowie Hinweise auf Probleme und Hindernisse, die wir in Projekten angetroffen haben.

3.1 Wer ist für die Anleitung verantwortlich?

Als erstes sollten Sie sich darüber klar werden, wer die Anleitung schreiben soll. Abhängig vom Unternehmen gibt es verschiedene Szenarien, wer die Anleitung verfasst:

  • ein Mitarbeiter der Online-Marketing-Abteilung mit technischem Verständnis
  • das Professional-Services-Team des Toolanbieters
  • eine gesonderte Agentur oder ein Freelancer

Ein eigener Mitarbeiter hat den großen Vorteil, dass er die Anforderungen der zukünftigen Benutzer des Tools besser kennt. Externe müssen sich dieses Wissen mühsamer aneignen.

In vielen Fällen ist das Wissen intern jedoch nicht verfügbar oder das Projekt wird aus Zeitgründen extern vergeben.

3.2 Welche Anforderungen gibt es an das Tool?

Falls Sie die Anforderungen an das zu implementierende Tool noch nicht definiert haben, sollten Sie dies jetzt spätestens nachholen. Da die Anforderungen an unterschiedliche Tools sehr verschieden sind, beschreiben wir hier nur einen allgemeinen Weg, wie diese gesammelt und organisiert werden können.

„User Storys“ sind eine bewährte Weise, wie in der Software-Entwicklung Anforderungen verschiedener Benutzergruppen fest gehalten werden. Auch bei der Implementierung von Tracking-Tools hat sich dieses Hilfsmittel als nützlich erwiesen.

Eine User Story kann dieser Form besitzen:

Als [Rolle] möchte ich <Wunsch>.

Für ein Testing-Tool könnte eine User Story lauten:

Als Online Marketing Manager (OMM) möchte ich A/B-Tests auf allen Seiten des Online-Shops durchführen.

Aus jeder User Story lässt sich eine Folgerung für die Implementierung ableiten. Aus obigem Beispiel folgt, dass das Testing-Tool auf jede Seite des Shops, das heißt in das übergreifende Template, integriert werden muss.

Natürlich gibt es noch weitere weniger offensichtliche User Storys. Zu diesen kommen wir jetzt in der Form von Beispielen für User Storys für verschiedene Tool-Kategorien.

Toolkategorie User Story Technische Umsetzung der User Story
Testing-Tools Als OMM möchte ich Testergebnisse so weit wie möglich segmentieren Integration mit Webanalyse-Tool mithilfe von benutzerdefinierten Variablen
Als OMM möchte ich nicht nur die Anzahl der Conversions, sondern auch den Umsatz pro Variante messen Übergabe des Warenkorbwertes auf den Vielen-Dank-Seite an das Testing-Tool
Als OMM möchte ich Tests auf verschiedenen Arten von Seiten (Kategorie-, Produkt-, Warenkorbseite) durchführen Es muss – noch vor dem Tag des Testing-Tools – eine JavaScript-Variable kategorie eingefügt werden, welche diese Information enthält
In-Page-Analyse Als OMM möchte ich in der Session-Widergabe auch Veränderungen der Seite durch AJAX wiedergeben <Tool-spezifische Implementierung>
Als Datenschutzbeauftragter möchte ich sicherstellen, dass personenbezogene Daten nicht an das In-Page-Analyse-Tool weitergegeben werden Sensible Formularfelder im Quelltext markieren
Tag Management Als technischer Marketer möchte ich in anderen Tracking-Tools die Information zu Verfügung haben, ob ein Besucher eingeloggt ist oder nicht. Integration der Variable loggedin in den Data Layer
Conversion Tracking Als OMM möchte ich nicht nur die Anzahl der Conversion und den Warenkorbwert, sondern auch die Anzahl der gekauften Produkte messen Übergabe der Anzahl den Produkten im Warenkorb auf den Vielen-Dank-Seite
Als OMM möchte ich auch die Produktkategorien der gekauften Produkte messen Übergabe der Produktkategorien im Warenkorb auf den Vielen-Dank-Seite
Retargeting-Tools Als Display Manager möchte ich Besucher mit angesehenen Produkte wieder ansprechen Übergabe der Produkt-ID des angesehenen Produkts an das Retargeting-Tool
Als Display Manager möchte ich im RTB-Verfahren ein höheres Gebot für Impression von Besuchern, die ein Produkt in den Warenkorb gelegt haben, abgeben Markierung von Besuchern im Checkout im Retargeting-Tool
On-Site Feedback-Tools Als OMM möchte ich wissen, welche Testvariante zu mehr Feedback und Kritik geführt hat. Übergabe der ID der Testvariante an das Feedback-Tool

3.3 Schritte zur fertigen Anleitung

Letztendlich möchte man ein PDF-Dokument – nicht eine Liste von Anforderungen – an die IT-Abteilung versenden. Wie kommt man aber von den Anforderungen zu diesem Dokument?

Wir empfehlen, die fertige Anleitung in diese drei Teile zu unterteilen:

  1. Der Motivation für das Implementierungsprojekt aus dem Projektplan („Ziel des Projekts“)
  2. Der allgemeine Beschreibung aus der Anleitung des Tool-Anbieters
  3. Modifikationen und Ergänzungen der allgemeine Beschreibung mithilfe der zuvor gesammelten Anforderungen

Diese drei Teile werden nun am Beispiel der Anleitung für ein Testing-Tool beschrieben.

3.4 Beispiel: Testing-Tool

3.4.1 Motivation des Implementierungsprojekts

Dieser Text könnte für den ersten Teil verwendet werden:

Um Entscheidungen über das Layout und den Inhalt unserer Website anhand von verlässlichen Daten – nicht Bauchentscheidungen – treffen zu können, soll das Testing-Tool XYZ implementiert werden. Dieses ermöglicht es uns (allen Mitarbeitern des Marketings) A/B-Tests ohne Unterstützung durch die IT durchzuführen.

3.4.2 Allgemeine Anleitung des Tools

Für die meisten Testing-Tools ist die Integration von nur einem JavaScript-Tag ausreichend. Die Anleitung dafür könnte so aussehen:

Bitte binden Sie den folgenden Code auf jede Seite direkt nach dem öffnenden <head>-Tag ein. Wahrscheinlich ist es am besten, den Code in das übergreifende Template zu integrieren:

<script src="//cdn.testingtool.com/123456.js"></script>

Der Quelltext der Startseite sieht dann wie folgt aus:

Nur wenn das Tag ganz oben integriert ist, funktioniert das Testing-Tool einwandfrei!

Bitte verändern Sie den Code nicht!

3.4.3 Individuelle Anpassungen

Oben wurden diese User Storys vorgestellt und die technische Umsetzung angedeutet.

User Story Technische Umsetzung der User Story
Als OMM möchte ich Testergebnisse so weit wie möglich segmentieren Integration mit Webanalyse-Tool mithilfe von benutzerdefinierten Variablen
Als OMM möchte ich nicht nur die Anzahl der Conversions, sondern auch den Umsatz pro Variante messen Übergabe des Warenkorbwertes auf den Vielen-Dank-Seite an das Testing-Tool
Als OMM möchte ich Tests auf verschiedenen Arten von Seiten (Kategorie-, Produkt-, Warenkorbseite) durchführen Es muss – noch vor dem Tag des Testing-Tools – eine JavaScript-Variable kategorieeingefügt werden, welche diese Information enthält

Die erste der drei User Storys kann in den meisten Fällen direkt im Testing-Tool konfiguriert werden. Die beiden anderen können in folgende Anleitung „übersetzt“ werden:

Neben dem oben beschriebenen Standard-Tag sollen noch diese zwei individuellen Anpassungen vorgenommen werden.

Seitenübergreifend

Bitte integrieren Sie auf allen Seiten diese JavaScript-Variable vor dem seitenübergreifenden Tag des Testing-Tools

var kategorie = produktdetail;

Bitte füllen Sie die Variable abhängig von der Art der Seite. Diese Werte sind möglich: [start, kategorie, produktdetail, checkout, suchergebnis, landingpage, andere]

Auf der Vielen-Dank-Seite (test.com/shop/thankyou.php)

Bitte integrieren Sie diese Zeile unterhalb des Standard-Tags:

testingtool.revenue(123.45);

Bitte ersetzen Sie „123.45“ durch den jeweiligen Warenkorbwert und verwenden den Punkt als Trennzeichen zwischen Euro- und Cent-Werten.

3.5 Stolperfallen und Herausforderungen

Auch bei einer noch so eindeutigen Anleitung kann es zu Missverständnissen und falsch implementiertem Code kommen. Die folgenden Probleme haben wir leider schon alle am „eigenen Leib“ erfahren. Achten Sie also unbedingt darauf, dass Ihre Anleitung diese Punkt klarstellt und überprüfen Sie während der Qualitätssicherung, dass diese Fehler nicht begangen wurden.

3.5.1 Code wird nicht an richtiger Stelle eingebaut

Da Testing-Tools den Quelltext der Seite verändern und Besucher diese Veränderung nicht sehen sollen, muss das entsprechende Tag so weit oben wie möglich auf der Seite integriert werden. Leider kann es vorkommen, dass Entwickler diese Bitte ignorieren und die Tags weiter unten einbauen.

Wenn die Position der Tags von Bedeutung ist, stellen Sie dies sehr deutlich in der Anleitung heraus. Erklären Sie vor allem, warum die Position so wichtig ist und geben Sie ein konkretes Beispiel (siehe die Ausführungen im oberen Beispiel).

3.5.2 Code wird modifiziert eingebaut

In manchen Fällen haben Entwickler den einzubauenden Code so verändert, dass er nicht mehr korrekt funktioniert hat. Im Falle von Testing-Tools wurde beispielsweise dieser Code um das Tag „gelegt“, um das Laden der Seite nicht zu verlangsamen:

$(document).ready(function() {
document.write("<script src=’//cdn.testingtool.com/123456.js‘></script>");
});

Das Tag muss jedoch schon vor dom ready geladen werden. Andernfalls wird die Testvariante nicht ausgeliefert. Es lohnt sich deshalb besonders darauf hinzuweisen, dass der Code nicht verändert werden sollte.

3.5.3 Code wird falsch kopiert

E-Mail-Programme wie Outlook und Textbearbeitungsprogramme wie Word wandeln Hochkommas, wie sie in JavaScript-Code vorkommen, häufig in Anführungszeichen um. Der JavaScript-Code wird in diesem Fall jedoch nicht mehr ausgeführt und es kann zu einer Fehlermeldung führen.

Verschicken Sie also Tags am besten per PDF und stellen Sie sicher, dass Hochkommas nicht ungewollt umgewandelt wurden.

3.5.4 Auf HTTPS-Seiten werden HTTP-Pixel eingebaut

Auf HTTP-Seiten, wie dem Checkout auf Online-Shops, dürfen externe Dateien – das heißt auch JavaScript-Tag – nur von HTTPS-URLs geladen werden. Falls versucht wird ein Tag von einer nicht-HTTPS-URL zu laden, zeigen Browser verschiedene Fehlermeldungen an. Laden Sie Tag auf SSL-verschlüsselten Seiten also immer von HTTPS-URLs!

Warnmeldung in Chrome

Warnmeldung in Firefox

3. Schritt: Implementierungsanleitung an IT-Abteilung versenden

Nachdem das Erstellen der Anleitung für die IT-Abteilung relativ viel technisches Wissen verlangte, sind in diesem Schritt wieder Fähigkeiten im Projektmanagement gefordert.

Letztendlich muss der Projektleiter die Anleitung „nur“ an die zuständige Person aus der IT weiterleiten. Hierbei können diese Überlegungen hilfreich sein:

3.1 Soll die Anleitung per Ticket-System oder direkt per E-Mail versendet werden?

Falls möglich empfehlen wir Anleitungen per E-Mail zu versenden. Auf diese Weise können Sie alle relevanten Personen gleichzeitig kontaktieren. In manchen Fällen werden jedoch keine direkten E-Mails, sondern nur Tickets akzeptiert.

Fragen Sie im Ticket oder der E-Mail nach einem Telefonat mit dem entsprechenden Entwickler

In diesem Telefonat können Sie sicherstellen, ob der Entwickler die Anleitung vollständig verstanden haben und etwaige Fragen beantworten. Außerdem zeigt ein solches Telefonat, dass das Projekt eine hohe Priorität besitzt und sie können in Erfahrung bringen, welche Einstellung zum Implementierungsprojekte herrscht.

Stellen Sie sicher, dass der im Projektplan festgehaltene Termin für das Deployment noch aktuell sind

Falls Sie noch nicht über die Release-Termine informiert sind, ist es jetzt höchste Zeit das nachzuholen. Aktualisieren Sie auch den Eintrag in Ihrem Kalender, falls nötig.

Senden Sie auf jeden Fall auch den Projektplan mit

Falls es in der Zwischenzeit personelle Veränderungen in der IT-Abteilung gab, ist auch das neue Personal über alle Einzelheiten und Kontaktdaten informiert.

4. Schritt: IT-Abteilung setzt Änderungen um

Wir empfehlen regelmäßig zu überprüfen, wie das Projekt voranschreitet. Formelle (per E-Mail) und informelle Nachfragen (in der Küche oder der Kantine) können Ihre Tags in der Priorisierung weiter nach oben bringen. Natürlich dürfen Sie es mit Nachfragen nicht übertreiben.

Legen Sie sich Termine in Ihrem Kalender an, die sich erinnern, Ihre Kollegen aus der IT zu erinnern.

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