A/B-Tests: Redirect oder DOM-Manipulation?

Die Möglichkeiten zu testen sind sehr groß. Es gibt unterschiedliche technische Ansätze, die jeweils ihre Vor- und Nachteile haben. Für A/B-Tests gibt es beispielsweise insbesondere zwei unterschiedliche Methoden den Besucher die unterschiedlichen Testvarianten zu zeigen.

1.) Redirect

Beim Redirect-Ansatz kommen die Besucher auf die Originalseite und werden per Redirect (JavaScript oder serverseitig) auf eine der Testvarianten weitergeleitet. Diese Testvarianten sind komplett eigenständige HTML-Seiten und können an einer beliebigen Stelle (d.h. auch auf einer anderen Domain) liegen.

Vorteile

  • Es können bestehende Seiten gegeneinander getestet werden. So lassen sich beispielsweise unterschiedliche Einsprungpunkte in einen Onlineshop sehr einfach gegeneinander testen.
  • Redirect-Tests sind sehr einfach aufzusetzen, da nur wenig Konfiguration notwendig ist. Im Prinzip reicht die Eingabe der unterschiedlichen URLs und schon kann es losgehen.
  • Es gibt keine besondere Anforderungen an das Webdesign, da jede Testvariante komplett eigenständig ist.
  • Aufgrund dieser Eigenständigkeit der einzelnen Testvarianten können auch sehr komplexe Funktionen inkl. JavaScript und CSS sehr einfach getestet werden.

Nachteile

  • Durch die zu erfolgende Weiterleitung sind Redirect-Tests langsamer. Dies kann dazu führen, dass die Bounce-Rate unabhängig vom Seiteninhalt deutlich steigt.
  • Die angezeigte URL verändert sich, was Besucher verwirren kann. Dies kann einen Einfluss auf die Conversion-Rate haben, was das statistische Rauschen erhöhen kann.
  • Google Adwords verfolgt Weiterleitungen bei der Feststellung der eigentlichen Zielseite einer Anzeige und zur Berechnung des Quality Scores von dieser. Durch einen Redirect-Test kann es so zu einem (negativen wie positiven) Einfluss auf den Quality Score kommen.
  • Es kann passieren, dass die Testvarianten durch Suchmaschinen indiziert werden. Dies kann Besucher direkt auf die einzelnen Testvarianten führen, was schlecht für den Test und schlecht für die Suchmaschinenoptimierung ist. (Tipp: Alle Varianten mit <meta robots=“noindex,follow“ /> versehen!)
  • Viele Benutzer speichern Lesezeichen (Bookmarks) von interessanten Seiten. Leider zeigt der Bookmark dann aber auf die direkte URL einer Testvariante. Was ist aber, wenn der Test beendet ist? Selbst wenn sie die Seite danach noch online lassen, muss diese dann auch immer aktualisiert werden.
  • Damit das normale Webtracking weiterhin valide Zahlen liefert, muss es auch auf allen Testvarianten eingebaut werden. Dabei ist zu beachten, dass auch bei den Testvarianten die URL der Originalvariante getrackt wird, damit bestehende Reports weiterhin funktionieren.

2.) DOM-Manipulation

Die DOM-Manipulation ist bei multivariaten Tests unersetzbar, bei A/B-Tests jedoch auch einsetzbar. Dabei wird dem Besucher keine komplett andere Seite als Testvariante angezeigt, sondern es werden dynamisch Elemente in der HTML-Seite (korrekt: im HTML-DOM-Baum) ausgetauscht. So lassen sich alle Elemente einer Seite manipulieren. Diese Manipulation findet nur im Browser des Besuchers statt und ist funktioniert wie (bzw. ist) AJAX.

Vorteile

  • Dadurch das keine Weiterleitung erfolgen muss, sind alle URLs immer konsistent – es gibt einfach nur genau eine URL. Auch Bookmarks landen immer auf der URL der Originalseite. Google indiziert nur genau diese eine Seite.
  • Das gesamte Testing ist komplett unsichtbar für Suchmaschinen. Dies betrifft den organischen Suchindex (für SEO-Maßnahmen) genauso wie den SEA-Bereich. Die Suchmaschinen „sehen“ immer nur die Originalversion.
  • Oft enthalten Webseiten personalisierte Elemente. Bei Redirect-Tests sind diese schwer beizubehalten. Dadurch dass bei der DOM-Manipulator Änderungen an der originalen Seite vorgenommen werden, können personalisierte Bestandteile beibehalten werden.
  • Ein Außenstehender kann nur schwer erkennen, dass ein Test läuft. Noch schwerer ist es für ihn, die unterschiedlichen Testvarianten auszuspähen (und so ihr Testkonzept zu analysieren).
  • Da immer die selbe HTML-Seite abgerufen und nur im Browser manipuliert wird, ist keinerlei Anpassung bei in der Seite eingebauten Scripts (beispielsweise für Web-Analytics) notwendig.

Nachteile

  • Die Vorbereitung der Website und die Einrichtung des Tests ist abhängig von der eingesetzten Testing-Software wenig bis viel aufwendiger. (Es sollte darauf geachtet werden, dass keine einzelnen Testzonen (z.B. als DyBox oder Mbox) markiert werden müssen.
  • In seltenen Fällen kann es zu einer Kollisionen des Testing-Tools mit bestehendem JavaScript oder CSS kommen – beispielsweise wenn Elemente in einem Formular geändert werden, dass mit einer JavaScript-Validierung versehen wurde. In dem Fall ist die Umsetzung des Tests manchmal deutlich aufwendiger.

Fazit

Beide Möglichkeiten eignen sich um erfolgreich zu testen. Für den schnellen Einstieg sind URL-Redirects ein guter Weg. Wer jedoch professionell testen und dabei wenig Sorgen haben möchte, der sollte zum Ansatz der DOM-Manipulation greifen. Die Vorteile überwiegen den leicht höheren Aufwand eindeutig und man erhält viel mehr Möglichkeiten. Insbesondere aus SEO- und SEA-Sicht sind Redirects problematisch. Im Rahmen einer ganzheitlichen Online-Strategie ist die DOM-Manipulation von Vorteil.

Der Autor

Julian Kleinknecht - CRO ConversionBoosting GmbH

Julian Kleinknecht
CRO ConversionBoosting GmbH

Mehr Informationen

Julian Kleinknecht ist CRO (Chief Research Officer) von ConversionBoosting und verantwortet alle Research-Inhalte. Er hat zwei Master-Abschlüsse der University of St Andrews (UK) und der LMU München sowie viele Jahre Erfahrung in den Bereichen Web-Analyse und Website-Testing.

ConversionBoosting ANALYZE
Wandle Deine Besucher in mehr Leads & Sales
  • Konkrete Optimierungsvorschläge für mehr Leads & Sales
  • Innovatives Online-Tool zur Conversion-Optimierung
  • Individuelle Analyse Deiner Website

ConversionBoosting